MB /8 Club Deutschland

(Oldtimer-Tage September 1998, Seiten 16-17)

MB /8 Club Deutschland
c/o Sven Böneker
Stegeweg 2
D-13407 Berlin
(030) 496 09 04

Wir, Der "/ 8 Club Deutschland" sind ein markenunabhängiger Club, der sich nur und ausschließlich mit den Mercedes-Benz Baureihen W 115 und W 114 beschäftigt. (mal ehrlich, was interessieren /8-ler Heckflossen???)

Bundesweit zählen wir etwas über 200 Mitglieder mit ca. 400 Fahrzeugen. Auch bei uns geht also der Trend zum Zweitwagen.

Die Mitgliederschaft erfolgt über z.Zt. 11 Regionalstammtische, d.h. monatliche Treffen für Benzingespräche, Erfahrungsaustausch, Hilfe bei Ersatzteilbeschaffung und natürlich Planung regionaler Aktivitäten. Ausfahrten, Workshops, Clubpräsentationen auf Veranstaltungen.

Unser jährliches "Highlight" ist die sogenannte Sternfahrt. Unser überregionales Jahrestreffen, welches jedes Jahr von einem anderen Regionalstammtisch veranstaltet wird und von knapp über 500 Fahrzeugen besucht wird. D.h. 50% Mitgliederbeteiligung, davon können die miesten anderen Clubs meist nur träumen!!!

Also liebe Leute, schaut auf unserem Stand mal vorbei, denn es gibt bei uns noch etwas wichtigeres als die Autos: die Leute dazu!!!

Mercedes / 8 Das erste Millionending aus Stuttgart

Vor nunmehr 30 Jahren im wilden Jahr 1968 wurde alles anders, auch bei den Herren Daimler in Stuttgart.

Abschied von der Einheitskarosserie und die Flossen fielen weg. Sie lagen einfach nicht mehr "in Rufweite hinter der Mode". Einzug hielt mit der neuen Baureihe eine "zurückhaltende, unaufdringliche Eleganz", die jdeoch anfangs als zu bieder kritisiert wurde. Trotzdem entwickelte sich der /8 bzw. die Baureihe W114 (6 Zylinder) bzw. W115 (4 + 5 Zylinder) zu einem Auto, das keine Klassentreffen mehr zu kennen schien; Unternehmer, Ärzte, Handwerker, Bauern, Lehrer - alle fuhren ihn.

"/8" entstand übrigends als Anhängsel an die Verkaufsbezeichnung wie z.B. 200, 230 etc. Diese Bezeichnung trugen ja auch schon die Heckflossenmodelle, der "neue" Mercedes bekam nun den Zusatz "/8"; die 8 auf Grund des Erscheinungsjahres 1968. Neben der neuen Karosserie, die ihr Designer Paul Brag als "klassisch ausgewogen mit einer rundherum leichten Linie" bezeichnete war das richtig neue jedoch das Fahrwerk. Die nicht immer einfach zu beherrschende Eingelenkpendelachse mußte einer neu konstruierten Schräglenkerausführung weichen, von Mercedes treuherzig als Diagonal-Pendelachse bezeichnet. Zusammen mit der neuen wartungsfreien Vorderachse war der /8 ein sehr gut mütiges Auto, welches kaum aus der Ruhe zu bringen war. Ach so... erstmals bei Mercedes war der Kühlergrill breiter als hoch! Anfangs gab es die Baureihe W115 als 200er und 220er Benziner sowie als 200er und 220er Diesel. Als W114 konnte man den 230er und 250er bekommen. Wer es gern etwas edler und teurer haben wollte, der bekam ab Herbst '68 seinen 250er mit einem etwas flacheren Dach und 2 Türen weniger - als Coupe.

Bis zum Produktionsende 1976 gab es zahlreiche Detailänderungen und neue Motorvarianten; die auffälligste lag im Spätsommer 1973 - ab jetzt spricht man von /8ern der Serie 2: Die Ausstellfenster verschwanden, die Außenspiegel wurden größer und waren von innen verstellbar, ein umschäumtes Sicherheitslenkrad mit Prallplatte erstzte das dünne Bakelitvolant, die Rückleuchten büßten ihren Chromrand ein und waren schmutzabweisend geriffelt, ferner gab es einen Lufteinlaß unter der Stoßstange (Haifischmaul) auf der nun auch das Kennzeichen mittig montiert war. Der Kühlergrill wurde auch noch breiter. Diese Veränderungen sollten den /8 optisch an die seit 1972 lieferbare neue S-Klasse W116 annähern. Eine genaue Analyse ab wann welche Änderung in die Serienproduktion - es waren etliche - eingeflossen sind, würde den Rahmen dieser Modellvorstellung sprengen.

Erwähnt seien noch 2 Motorvarianten: ab 1972 gab es wie in der neuen S-Klasse den 6-Zylinder Doppelnockenmotor m110 im W114, der als Einspritzmotor (Bosch D-Jetronic) den /8 gehörig auf Trab brachte (V-max über 200km/h, 0-100 unter 10 sec.).

Ab 1974 konnte man den deutschen "Ölprinzen" bekommen, im W115 debutierte der 5-Zylinder Dieselmotor mit 80 PS; er war damals der schnellste und kultivierteste Diesel-PKW, der erst übrigends, der keinen Zugschalter mehr hatte, er wurde nur mit dem Zündschlüssel zum Leben erweckt.

Ende des Jahres 1975 wollten die "Herren Daimler" den /8 in den Ruhestand schicken, dies scheiterte jedoch am Protest der Taxifahrer und anderer zufriedener Kunden. So kam es, daß neben dem neuen W123 der /8 im Jahre 1976 parallel noch weitergebaut wurde. Am Ende wurden 1,9 Mio. Strich 8 auf die Räder gestellt! Der W123 ist dem "alten" technisch übrigends so sehr ähnlich, daß einige /8-Jünger den W123 etwas schmunzelnd als Strich 8 Serie 3 bezeichnen, - das aber nur am Rande!

Warum nun aber im Jahre 1998, im Zeitalter von Stinker-Steuer und Altautoverordnung ausgerechnet /8 fahren?

Nun - seine Gastarbeiter-, Studenten- und Hausbesetzer-, Verbrauchswagen-Zeit hat er hinter sich gebracht, zum echten erhaltens- und vor allem liebenswerten Oldie gemausert, der Stern thront majestätisch gerade auf dem Kühlergrill, die Türen fallen noch immer mit dem berühmten Klang ins Schloß, die 3 Chromringe der Instrumente funkeln Dir ins Gesicht, Du fährts ein Auto was nicht jeder hat, es gibt richtig viel Platz, die Technik ist relativ problemlos, der Einstiegspreis ist (noch!) relativ gering... alles in allem ein echter Mercedes... vielleicht der letzte "echt"??? Außerdem: die ersten /8 sind sogar schon als Steuersparmodelle unterwegs, mit "H"-Kennzeichen.

Strich 8 September 1998


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letzte Änderung 18. April 2001